Kritik an der PKV

Würde man die Finanzierung der Gesundheitskosten für ein Land mit 80 Mio. Einwohnern neu entwickeln, so würde bestimmt nicht unser duales System aus GKV und PKV dabei herauskommen. Allerdings ist das Nebeneinander von gesetzlichen Krankenkassen und privaten Versicherungen in Deutschland historisch gewachsen und funktioniert. Die PKV finanziert einen weitaus größeren Teil aller Kosten, als es der 10 %ige Anteil an den Versicherten vermuten ließe. Zusätzlich haben die Versicherten der PKV gut 270 Milliarden EURO an Altersrückstellungen zur Finanzierung des gesamten Gesundheitssystems angespart. Dieses Geld braucht unsere gesamte Gesundheitswirtschaft in der Zukunft. Unser Gesundheitssystem ist sozusagen eine gelungene Fehlkonstruktion. Personen mit einem absehbar sehr geringen Einkommen als Rentner sollten nicht in die PKV wechseln.

 

  • Die PKV ist im Alter zu teuer
  • Die PKV ist nur für Singles geeignet
  • Die PKV ist unsolidarisch und ein Auslaufmodell
  • Die PKV verhindert eine Bürgerversicherung

 

Folgende Faustformeln bieten gute Anhaltspunkte:

Die PKV ist im Alter zu teuer

Ja: Wenn ich im Rentenalter weniger als 20 Jahre in meiner privaten Krankenversicherung versichert und mein Einkommen als Rentner unter dem Durchschnitt liegt. Dann ist eine GKV oft günstiger als eine PKV, das Umlageverfahren rechnet sich besser.

Nein: Ich bin zum Rentenbeginn mindestens 20 Jahre in meiner PKV versichert und meine Altersbezüge liegen über dem Schnitt. Dann liegt der PKV-Monatsbeitrag unter den Kosten einer gesetzlichen Krankenkasse, GKV. In diesen Fällen greift die Kapitalfinanzierung der PKV.

 

Die PKV ist nur für Singles geeignet

In 2018 liegt der GKV-Höchstbeitrag bei über 800 EURO im Monat. Ein Erwachsener mit zwei Kindern erreicht diesen Beitrag in der PKV nicht. Zwei Erwachsene zahlen jedoch in der PKV zusammen mehr als den Höchstbeitrag in der gesetzlichen Krankenkasse. Nach der Schule fallen die meisten Kinder aus der PKV der Eltern heraus, der PKV-Beitrag verringert sich wieder. Diese Frage muss individuell beantwortet werden.

 

Die PKV ist unsolidarisch und ein Auslaufmodell

Die private Krankenversicherung finanziert nicht die niedrigen GKV-Versicherungsbeiträge von Geringverdienern mit und kennt keine kostenlose Versicherung für nicht erwerbstätige Ehepartner und Kinder. Insofern ist die PKV unsolidarisch. Im Sinne der Generationengerechtigkeit und Generationenbilanz ist die private Krankenversicherung solidarischer als die GKV. Bei der GKV werden die hohen Kosten der Rentner auf alle Beitragszahler umgelegt. In der PKV werden nach dem Anwartschaftsdeckungsverfahren Altersrückstellungen für den höheren Bedarf der Alten zurückgelegt. Auf lange Sicht ist die PKV solidarischer als die GKV. Die Altersrückstellungen der PKV haben einen volkswirtschaftlichen Nutzen, einen Nutzen für zukünftige Beitrags- und Steuerzahler und einen Nutzen für die gesamte medizinische Infrastruktur.

Wegen der oben beschriebenen volkswirtschaftlichen Bedeutung und den Bestandsrechten von ca. 9 Millionen PKV-Kunden aus mehreren Jahrzehnten ist die PKV aus unserer Sicht kein Auslaufmodell. Selbst wenn ab heute kein neuer Kunde mehr in der PKV versichert würde, so blieben die Beiträge der Versicherten durch die Alterungsrückstellungen im Alter bezahlbar.

 

Die PKV verhindert eine Bürgerversicherung

Zunächst ist eine Bürgerversicherung an sich kein Wert, sondern ein populistisches Schlagwort. Der Gedanke an „eine Versicherung für alle“ ist natürlich irgendwie sympathisch. Wie aber das Beispiel der Gesundheitsversorgung für alle in England zeigt, ist eine Bürgerversicherung nicht automatisch ein Erfolg. In England ist gerade durch die Bürgerversicherung ein Zweiklassen-Gesundheitssystem entstanden. Wer Geld hat wird gut versorgt, wer keins hat steht vor Problemen.

Analysiert man die Gesetzeslage zur privaten Krankenversicherung, so stellt man fest, dass wesentliche Elemente einer Bürgerversicherung heute schon existieren. So in den Sozialtarifen der PKV, dem Basistarif für sozial Schwache, dem Standardtarif mit Beitragsgarantie für langjährig Versicherte und dem Notlagentarif für PKV-Kunden mit finanziellen Problemen. Auch der Kontrahierungszwang für Nicht-Versicherte ehemalige PKV-Kunden ist sozusagen eine Sozialleistung der PKV.

Der Bedarf an diesen Sozialtarifen ist gering: Von ca. 9 Millionen PKV-Kunden befinden sich gerade einmal 116.000 im Notlagentarif. Im Standard- und Basistarif sind noch weniger Kunden versichert.