Die Kassenbeiträge für 2,5 Millionen Selbstständige werden seit 2018 nach einem neuen System berechnet. Gut oder gleich gut ist das für diejenigen gesetzlich Versicherten, die ohnehin den Höchstbeitrag in ihrer gesetzlichen Krankenkasse bezahlen. Sollte sich mit dem Steuerbescheid herausstellen, dass der vorausgezahlte Beitrag zu hoch war, so erhält der Kassenkunde eine Rückerstattung.

Fatal ist die neue Regelung für selbstständige GKV-Versicherte mit schwankendem Einkommen. Der heute zu zahlende Beitrag wird vorläufig festgelegt, zwischen 420 EURO und 760 EURO (Die GROKO hat sich vorgenommen, den Mindestbeitrag zu halbieren. Das ist für Selbstständige mit einem ganz kleinen Einkommen gut, erhöht aber auch das Risiko für besonders happige Nachzahlungen). Festgelegt wird der vorläufige Beitrag wie bisher mit dem letzten aktuellen Steuerbescheid. Bei Selbstständigen ist der Steuerbescheid aber schon mal für einen Zeitraum, der 24 Monate zurückliegt. Mit anderen Worten: Man bezahlt für 2018 den Mindestbeitrag und erhält in 2020 den Steuerbescheid für 2018. Stellt sich dann anhand des Steuerbescheides heraus, dass das Einkommen höher als gedacht ist, muss der Beitrag auf einen Schlag nachbezahlt werden. Das kann dann zwei Jahre später zu Nachzahlungen für ein Jahr von bis zu 6.000 EURO führen. Läuft das Geschäft unerwartet gut, folgt die Quittung zeitversetzt.

Für kleine bis mittlere Betriebe ist der Kassenbeitrag nicht mehr zu kalkulieren. Da hilft dann auch der geringere Mindestbeitrag der GROKO nicht.

Das ist aber noch nicht alles. Wie bei Hartz-IV-Empfängern wird bei der Berechnung der GKV-Versicherungsbeiträge die „gesamte wirtschaftliche Leistungsfähigkeit“ berücksichtigt. Ist der Selbstständige verheiratet oder lebt mit einem Partner, so wird auch das Einkommen des Lebenspartners berücksichtigt.

Fazit: Für kleine Selbstständige sind die Kassenbeiträge im wahrsten Sinne des Wortes unberechenbar. Als Alternative kann eine private Krankenversicherung geprüft werden.